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Viele Fragen rund um die Leber-Hirn-Störung (LHS)

Am 30. September fand die zweite Telefonaktion der Initiative Lichtblicke in diesem Jahr statt. Dabei nutzten zahlreiche Anrufer die Möglichkeit, sich kostenlos und anonym zum Thema Leber-Hirn-Störung beraten zu lassen. Mit unseren Experten Dr. Andreas Leodolter (Herne), Dr. Marc Nguyen-Tat (Mainz) und Daniel Fitting (Frankfurt) standen Betroffenen, Angehörigen und Interessierten drei erfahrene Ärzte zur Verfügung. Seit Jahren betreuen sie Patienten mit Lebererkrankungen. Die am häufigsten gestellten Fragen zu der Komplikation, die in der Fachsprache Hepatische Enzephalopathie (HE) genannt wird sowie die Antworten unserer drei Experten können Sie hier nachlesen.

Was ist eine Leber-Hirn-Störung und wie entsteht sie?

Die Leber-Hirn-Störung ist eine Beeinträchtigung des Gehirns, die auf eine schwere Lebererkrankung in Form einer Leberzirrhose zurückzuführen ist. Während eine gesunde Leber Giftstoffe aus unserem Körper herausfiltert, funktionieren diese Prozesse bei einer stark geschädigten Leber nicht mehr richtig. Verantwortlich für die Leber-Hirn-Störung sind verschiedene Giftstoffe. Dazu zählt auch Ammoniak, das ganz natürlich durch bestimmte Bakterien im Darm entsteht. Eine geschädigte Leber kann das Ammoniak aber nicht wie üblich abbauen. Vielmehr sammelt sich das Ammoniak im Körper und damit auch im Gehirn. Das hat zur Folge, dass einige Hirnzellen anschwellen und das Gehirn nicht mehr richtig arbeiten kann.

Woran merke ich, dass ich eine Leber-Hirn-Störung habe?

Das lässt sich nicht immer ganz leicht erkennen. Erste Anzeichen für eine Leber-Hirn-Störung schreibt man oft anderen Ursachen zu und nimmt sie nicht immer ernst – man wird vergesslich, kann sich schlecht konzentrieren oder ist häufig unaufmerksam. Angehörige erkennen meist zuerst, dass mit ihren Familienmitgliedern und Freunden etwas nicht stimmt. Im weiteren Verlauf der Krankheit wird die Sprache oft undeutlich und die Handschrift immer unleserlicher. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man nicht nur etwa an Demenz, sondern auch an eine mögliche Leber-Hirn-Störung denken. Wenn Sie den Verdacht haben sollten, an einer Leber- Hirn-Störung erkrankt zu sein, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt.

Führt eine Leber-Hirn-Störung zu dauerhaften Schäden im Gehirn?

Leider muss man sagen: Ja, das ist möglich. Eine Leber-Hirn-Störung verläuft in sogenannten Episoden. Ein solcher Krankheitsverlauf bedeutet, dass das Gehirn in unterschiedlich starken Schüben beeinträchtigt wird. Mit jeder dieser Episoden steigt das Risiko von bleibenden Schäden. Je früher eine Leber-Hirn-Störung erkannt wird, desto besser sind die Chancen, langfristige Schäden zu vermeiden und die Anzahl von auftretenden Episoden so gering wie möglich zu halten.

Ich habe die Diagnose Leberzirrhose im Anfangsstadium bekommen und habe nun Bedenken wegen der Leber-Hirn-Störung. Was kann ich tun?

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die Leber-Hirn-Störung häufig erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Leberzirrhose auftritt. Um zu vermeiden, dass sich die Zirrhose verschlimmert, ist es wichtig, die Ursache für die Erkrankung zu finden. Mögliche Gründe für eine Leberzirrhose können z.B. übermäßiger Alkoholkonsum oder eine Hepatitis-Infektion sein. Was auch immer für die Leberzirrhose verantwortlich ist – um zu verhindern, dass sich eine Leber-Hirn-Störung entwickelt, sollte möglichst die Ursache für die Schädigung der Leber beseitigt werden und somit das Fortschreiten der Leberzirrhose bekämpft werden. Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen an Ihren Arzt.

Ich trinke gerne guten Rotwein, mache mir nun aber Gedanken um meine Gesundheit. Wie merke ich, dass meine Leber krank ist?

Wie der Volksmund sagt: „Die Leber leidet still“. Das bedeutet, dass sich eine Erkrankung der Leber meist erst zu einem sehr späten Zeitpunkt bemerkbar macht. Die Leber selbst ist nämlich nicht schmerzempfindlich. Bis man etwas merkt, ist es häufig schon zu spät und die Leber ist schon dauerhaft geschädigt. Begleitende Komplikationen einer Zirrhose können etwa ein Wasserbauch (Aszites) oder Krampfadern in der Speiseröhre (Varizen) sein. Häufig sind es erst diese Symptome, die einen zum Arzt führen, weshalb die Diagnose „Leberzirrhose“ häufig vollkommen unerwartet gestellt wird. Sollten Sie unsicher sein, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt über Ihre Bedenken.

Wie kann man eine Leber-Hirn-Störung behandeln?

Wichtig ist zuerst, dass die Leber-Hirn-Störung von einem Arzt erkannt wird. Zur Behandlung gibt es unterschiedliche Methoden. Wichtig ist, das giftige Ammoniak unschädlich zu machen: Eine Behandlungsmöglichkeit ist der Einsatz von L-Ornithin-L-Aspartat, das den Körper dabei unterstützen soll, Ammoniak in Harnstoff umzuwandeln. Dieser wird dann über den Urin ausgeschieden. Eine weitere Option ist die Gabe von Lactulose. Dieser Wirkstoff sorgt dafür, dass sich im Darm mehr Bakterien ansiedeln, die Milchsäure produzieren. Auf diese Weise werden die Ammoniak-bildenden Bakterien zurückgedrängt.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist der Einsatz von Rifaximin. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Antibiotikum, das im Darm wirkt („darmselektiv“). Hier tötet es die Bakterien ab, die für die Ammoniakproduktion zuständig sind.

 

 

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