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Telefonaktion: Fragen rund um die Leber

 

Anonym, kostenfrei und gut verständlich: Unsere Telefonsprechstunde am 13. November 2014 zu Fragen rund um die Leber wurde gerne angenommen. Die Telefone standen nicht still, und unsere Experten waren zwei Stunden lang sehr beschäftigt. Frau Dr. Margrit Hollenz, Prof. Dr. Stephan Kanzler und Dr. Andreas Leodolter beantworteten die zahlreiche Fragen der Anrufenden und nahmen sich auch individueller Sorgen und Nöte an.

Hier nun die wichtigsten Fragen und Antworten kurz zusammengefasst:

 

Stimmt es, dass Leberschäden eine Zivilisationskrankheit sind?

In vielen Fällen schon. Mit unserer Lebensweise muten wir der Leber einiges zu. Übergewicht oder hoher Alkoholkonsum, Medikamente, aber auch Diabetes und Viren können langfristig ernste Folgen haben. Die Leber entzündet sich und es entsteht eine Hepatitis. Wird diese nicht erkannt und behandelt, kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Dabei sterben die Zellen der Leber ab. Das Organ vernarbt, schrumpft und kann nicht mehr richtig arbeiten.

 

Wofür brauchen wir die Leber überhaupt?

Man sagt, die Leber ist das Kraftwerk unseres Körpers. Sie speichert wichtige Nährstoffe wie Zucker, Fette und Vitamine und hilft bei der Verdauung. Ihre allerwichtigste Aufgabe: sie entgiftet den Körper. Zum Beispiel von Ammoniak. Dieser Stoff entsteht ganz natürlich beim Abbau von Eiweiß im Körper, ist allerdings stark giftig. Die Leber wandelt Ammoniak in unschädlichen Harnstoff um, der dann mit dem Urin ausgeschieden wird.

 

Bei meinem Vater wurde eine Leber-Hirn-Störung festgestellt – was ist das?

Eine Leber-Hirn-Störung (LHS) ist eine mögliche Folge der Leberzirrhose, in der Fachsprache „Hepatische Enzephalopathie“ genannt. Das giftige Ammoniak kann von der stark geschädigten Leber nicht mehr abgebaut werden und gelangt ins Gehirn. So schlimm es ist, aber unbehandelt führt das zu einer regelrechten „Verdummung“.

 

Die Behandlung der LHS verursacht bei meiner Frau unangenehme Nebenwirkungen. Was können wir tun?

Möglicherweise bekommt Ihre Frau Laktulose. Diese kann helfen, das Ammoniak im Darm zu reduzieren, allerdings kann es zu Blähungen und häufigen Stuhlgängen kommen. Ein spezielles Antibiotikum dagegen wirkt ebenfalls der Ammoniak-Bildung entgegen, ist aber sehr gut verträglich, da es tatsächlich nur im Darm wirkt.

 

Ich muss regelmäßig Tropfen auf alkoholischer Basis nehmen – ist das gefährlich?

Viele Medikamente, vor allem pflanzliche Präparate in flüssiger Form, enthalten Alkohol. Das ist in kleinen Mengen auch unbedenklich. Vielleicht sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob eine dauerhafte Behandlung mit alkoholhaltigen Tropfen wirklich notwendig ist, zumal, wenn bei Ihnen vielleicht eine Leberschädigung vorliegt.

 

Ich komme ohne Alkohol einfach nicht zurecht. Was kann ich tun?

Alkoholismus ist eine schwerwiegende Erkrankung, die unbedingt behandelt werden sollte. Im Prinzip haben Sie einen wichtigen Schritt schon getan, wenn Sie wissen, dass Sie Hilfe brauchen. Möglicherweise ist eine stationäre Behandlung, also einen Alkoholentzug mit anschließender Langzeittherapie, für Sie sinnvoll. Wenden Sie sich bitte dringend an Ihren Arzt oder fragen Sie eine lokale Selbsthilfegruppe um Rat.

 

Kann sich die Leber von einer starken Schädigung wieder erholen?

Als erstes müssen natürlich die schädigenden Faktoren beseitigt werden, also z. B. Übergewicht, Medikamenteneinnahme, Viren, Alkohol ... Dann gibt es durchaus Hoffnung, denn im Vergleich zu anderen Organen kann sich die Leber über eine lange Zeit immer wieder erholen, und sogar zerstörte Zellen wachsen wieder nach. Je stärker die Schädigung allerdings ist, desto weniger gelingt dies.

 

Ich habe eine Leberzirrhose und schäme mich furchtbar – dabei habe ich mein Leben lang nur sehr wenig Alkohol getrunken.

Medikamente, zu fettes Essen, Viruskrankheiten – vieles kann der Leber auf Dauer schaden. Leider wissen das viele nicht und denken immer gleich an Alkoholmissbrauch. Das ist für die Betroffenen ein riesiges Problem, denn man muss bei der Leberzirrhose immer auch mit Vorurteilen kämpfen. Ich kann Sie nur ermutigen, Vorurteile und Schuldgefühle nicht allzu nah an sich heran zu lassen – konzentrieren Sie sich besser auf alles, was Ihnen in dieser Situation hilft.

 

In unserer Familie gibt es wohl eine Veranlagung zur Fettleber – wie kann ich mich schützen?

Sie schonen Ihre Leber, wenn Sie sich viel bewegen und ausgewogen ernähren. Essen Sie also viel Obst und Gemüse, wenig rotes Fleisch, öfter Fisch, wenig Fett und fettreiche Lebensmittel. Alkohol ist in Ihrem Fall natürlich besonders schädlich. Medikamente lassen sich selbstverständlich nicht immer vermeiden; aber sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

 

Bei meinem Vater ist seit Jahren bekannt, dass er eine Lebererkrankung hat. Jetzt macht uns aber sein geistiger Zustand Sorgen. Was können wir tun?

In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen einer starken Lebererkrankung, also einer Zirrhose, und einer nachlassenden Hirnleistung. Wir nennen das Leber-Hirn-Störung (LHS). Anfänglich macht sie sich nur durch Unkonzentriertheit, Müdigkeit und z.B. eine krakelige Schrift bemerkbar, aber der geistige Verfall nimmt stetig zu, wenn die LHS nicht behandelt wird. Sorgen Sie am besten dafür, dass Ihr Vater daraufhin untersucht wird. Dazu gibt es einfache Zahlen-Verbindungstests, aber auch sehr exakte optische Tests oder Laboruntersuchungen. Zudem sollten auch Verwechselungen, z. B. mit Demenz, ausgeschlossen werden.

 

Seit Jahren kümmere ich mich um meinen schwer kranken Mann, der körperlich und geistig immer weiter abbaut. Ich bin am Ende meiner Kräfte.

Das ist völlig verständlich und geht vielen pflegenden Familienangehörigen ähnlich. Versuchen Sie, ganz bewusst Zeiten einzuplanen, in denen Sie sich um Ihre eigenen Belange kümmern oder sich einfach erholen. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, welche Möglichkeiten es gibt, dass Sie Hilfen bekommen, oder dass Sie einmal (alleine!) zur Kur fahren. Ansonsten kann ich Ihnen nur raten, mit Ihren eigenen Kräften schonend umzugehen und sich ab und zu auch einen „Lichtblick“ zu gönnen – ein Telefonat mit einer Freundin, ein Kinobesuch...

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