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HE richtig erkennen

 

untersuchung

 

 

Die Diagnose schwerer Fälle (vor allem Grad drei und vier) bereitet in der Regel keine größeren Schwierigkeiten, da hier die typischen neurologischen Symptome entsprechend der West-Haven-Klassifikation auftreten. "Leichtere" Fälle, bei denen die neurologischen Störungen weniger eindeutig sind, sind in der Praxis oft schwerer einer HE zuzuordnen.

 

Psychometrische Tests geben Hinweis auf HE

Für den Nachweis einer HE stehen in erster Linie psychometrische Tests zur Verfügung. Der psychometrische HE-Score (PHES) 8 besteht aus einer Reihe von Einzeltests, z.B.:

 

Zahlenverbindungstest

Willkürlich angeordnete Zahlen sollen in numerischer Reihenfolge (1,2,3...) so schnell wie möglich miteinander verbunden werden. Wenn der Patient länger als 40 Sekunden für die korrekte Ausführung benötigt, besteht der Verdacht auf eine HE. Ein Abreißblock mit Zahlenverbindungstests ist Bestandteil des Praxiskits, das hier bestellt werden kann.

 

Zahlenverbindungstest

 

Flickerbrille

brille

Als diagnostische Ergänzung hat sich die Analyse der kritischen Flimmerfrequenz etabliert. Dabei blickt der Patient durch ein spezielles Gerät und sieht zunächst ein hochfrequentes Licht, das er ohne Flimmern als Dauerlicht wahrnimmt. Die Frequenz wird dann sukzessive reduziert, bis für den Patienten ein Flimmern sichtbar wird (Critical Flicker Frequency). Die kritische Flimmerfrequenz liegt bei Gesunden bei über 39 Hz, bei Patienten mit HE deutlich darunter. So wird beispielsweise bei stärker ausgeprägten Symptomen das Licht erst bei 32 Hz als Flimmern erkannt. 9

 

 

Diagnostik der manifesten HE: klinisches Bild

Die Diagnose der manifesten HE erfolgt in erster Linie anhand des klinischen Bildes. Laborchemische Befunde und neurophysiologische Untersuchungen dienen vor allem dazu, andere Ursachen für die neurologischen Störungen auszuschließen und den Schweregrad zu beurteilen. Folgende Untersuchungen können zum Einsatz kommen:

 

  • Laborbestimmungen (z.B. Leberfunktionstests, Blutglukose)
  • bildgebende Verfahren (z.B. MRT, Schädel-CT) und
  • elektrophysiologische Diagnostik (z.B. EEG)

 

 

 

Aufgrund zahlreicher Störfaktoren wie Niereninsuffizienz und Rauchen sollte auf eine Ammoniakbestimmung verzichtet werden. Sie bietet keinen Vorteil bei der Detektion, Verlaufskontrolle und Differentialdiagnostik einer HE.

 

In der Praxis

Da eine HE meist schleichend beginnt, bleibt sie von Patient und Arzt zunächst oft unbemerkt. Folgende Anzeichen, auf die bei einem Praxisbesuch geachtet werden sollte, können in Kombination mit bestimmten Symptomen und anamnestischen Kriterien auf eine HE hindeuten:

 

  • Beim Betreten der Praxis/des Sprechzimmers

    • Gangunsicherheit



  • Körperliche Examination

    • Aszites
    • Blutungszeichen
    • Leberhautzeichen
 
  • Im Arztgespräch

    • Sprachschwierigkeiten
    • Verwaschene Sprache
    • Wortfindungsstörungen
    • Erinnerungslücken
    • Schriftbild
  • Anamnese

    • (bekannte) Leberzirrhose
    • Alkoholkonsum
    • Hepatitis B/C
    • Fettleber
    • Diabetes II
 

 

Liegen ein oder mehrere Anzeichen bei einem Patienten mit chronischer Lebererkrankung vor, können erste Untersuchungen, z.B. der Zahlenverbindungstest, weitere Hinweise auf das Vorliegen einer HE liefern. Bei Verdacht auf eine HE sollte der Patient bei einem Hepatologen oder im Krankenhaus einer weitergehenden Diagnostik zugeführt werden.

 

 


 

8 Weissenborn K, Ennen JC, Schomerus H, Ruckert N, Hecker H: Neuropsychological characterization of hepatic encephalopathy. J Hepatol 2001; 34: 768-73.
9 Wir danken Prof. Dr. Dieter Häussinger, Universitätsklinik Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, für Informationen und Bild.
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